Chronik der Hohenlindener Sauschütt

Die Sauschütten im Ebersberger Forst verdanken ihren Namen dem ehemaligen Zweck. Sie waren Futterstellen für Schwarzwild und dienten zugleich dem Fütterer als Wohnung.

Während die Anzinger Sauschütte im nördlichen, dem herzoglichen Teil des Forstes bereits auf einer Karte von 1798 eingetragen ist, sind über die Anfänge der im ehemaligen Klosterwald gelegenen Hohenlindener Sauschütte keine Unterlagen vorhanden. Es ist anzunehmen, daß auch sie um diese Zeit entstanden ist. Im Dachgebälk des heutigen Nebengebäudes findet sich die Jahreszahl 1859. Dieser Steinbau, damals noch mit Schindeln gedeckt, wurde 1887 um ein Zimmer nach Osten hin erweitert. Auf dem 1886 gefertigten Lageplan wird er als das neue Futterhaus mit Jagdaufseherwohnung bezeichnet. Das unweit davon gelegene alte Futterhäuschen dürfte demnach wesentlich älter gewesen sein.

Es war ein ebenerdiges Blockhaus mit großem Vordach und enthielt ein schmales, dunkles und schwer zu lüftendes Zimmer sowie den Stall für eine Kuh. Dieser Umstand, die kleine Wohnung im sogenannten neuen Futterhaus und ein reparaturbedürftiges Schindeldach führte 1917 zu einem Antrag des Forstamtes Ebersberg an die Regierung von Oberbayern, Kammer der Forsten, auf Erweiterung des Blockhauses um ein Zimmer und Vergrößerung des Stalles für eine zweite Kuh. Am 23.3.1919 wurde der Anbau genehmigt und der Zimmermeister Paul Liebl von Preisendorf mit den Arbeiten beauftragt. Vorher aber mußte der damalige Stelleninhaber Waldwärter Reiter nachweisen daß er in der Lage sei, eine weitere Kuh (damaliger Preis 2000 RM) anzuschaffen.

Waren bisher die Behausungen der Waldwärter dem Status nach Wald- oder Forsthütten, so wurden sie um 1921 auf den Haushalt für Forstdienstgebäude übernommen. Damit war die Baubetreuung den Landbauämtern übertragen. 1925 genehmigte das Bezirksamt Ebersberg die Errichtung eines Schießstandes bei der Hohenlindener Sauschütte. Der damalige "zuverlässige Waldarbeiter" und spätere Haumeister Martin Schwaiger von Karlsdorf war 1926 bereit, für einen Stundenlohn von 60 Pfg. das hierfür angefahrene Holz zu Schindeln zu verarbeiten. Dem Vernehmen nach hat er auch den Schießstand gebaut.

Seegatterlhaus

1929 bat der Forstaufseher Votz um Erweiterung des Wohnhauses im Süden und belegte mit einem amtsärztlichen Zeugnis, daß die bisherige Wohnung feucht und für die Ausübung der Gastwirtschaft auch zu klein sei. Statt eines Anbaues wurde aber das bisherige Betriebsleiterhaus, ein Holzhaus der Unkener Drahtseilbahn in Seegatterl dort abgebrochen und als Dienstwohnung in der Hohenlindener Sauschütte aufgestellt.

Der Erbauer dieses Hauses, Zimmermeister Aicher von Reit im Winkl übernahm Abbruch, Transport und Wiederaufbau. Am 25.7.1930 wurde das seitdem "Seegatterlhaus" genannte Gebäude bezogen.

Text: @ Kurt Allekotte